Was wirklich hilft...

Rückenschmerzen

Fast jeder Mensch hat mindestens einmal im Leben akute Rückenschmerzen. Eine unbedachte Bewegung, etwas zu Schweres gehoben, einen kalten Windzug abbekommen und der Schmerz ist da. Ob steifer Hals, verspannter Nacken, dumpfes Ziehen im Kreuz, Hexenschuss oder starke Schmerzen: hier ist kompetente Hilfe gefragt – nicht nur durch den Arzt, sondern auch durch den Apotheker. Welche Medikamente sind bei den typischen Beschwerden geeignet, welche Behandlungen im Rahmen der Selbstmedikation haben sich bewährt und wie können sich die Betroffenen selbst helfen?

Rückenschmerz bedeutet eine starke Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen durch Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen.
Das Symptom Rückenschmerz ist meist keine eigenständige Krankheit, sondern Ausdruck einer Störung im Zusammenspiel der Muskeln, Bänder, Gelenke und Knochen. Je nach Beschwerdebild lassen sich drei Gruppen von Schmerzen unterscheiden.
Neben radikulären, das heißt von den Nervenwurzeln ausgehenden Rückenschmerzen wie eine Ischias Attacke, werden nicht-spezifische von spezifischen Kreuzschmerzen abgegrenzt. Bei dem weitaus häufigsten nicht-spezifischen Kreuzschmerz ist der Grund für die Beschwerden nicht eindeutig erkennbar.
Ein spezifischer Kreuzschmerz hingegen ist auf eine konkrete Ursache zurückzuführen wie einen Bandscheibenvorfall, einen Knochenbruch, eine Infektion oder einen Tumor.

Viele Symptome – noch mehr Ursachen
Am weitesten verbreitet sind Beschwerden an der Lendenwirbelsäule. Rund zwei Drittel aller Rückengeplagten haben Schmerzen in diesem Bereich (Hexenschuss, Lumbago, low back pain), der von allen Abschnitten der Wirbelsäule am stärksten belastet wird. Die Kreuzschmerzen können bis in die Leistenregion oder über den hinteren Bereich der Oberschenkel bis ins Gesäß bzw. bis in die Zehen ziehen. Häufig findet sich kein Zusammenhang zwischen Verschleißerscheinungen oder der Beschädigung einer Bandscheibe und den Schmerzen des Patienten. So gibt es Menschen, die trotz massiver Abnutzungszeichen der Wirbelsäule und der Bandscheiben keine Schmerzen haben, während andere bei leichten oder gar keinen Veränderungen sehr starke Schmerzen empfinden.

Die Mehrzahl der Rückenschmerzen sind nicht das Symptom einer schweren Erkrankung, sondern vielmehr Reaktionen auf die moderne Lebensweise. Die meisten Menschen werden immer unbeweglicher, verbringen ihren Tag vorwiegend im Sitzen, im Auto, vor dem Computer oder Fernseher. Körperliche Aktivitäten finden vor allem in der Freizeit statt oder gar nicht. Bewegungsmangel gilt als eine der Hauptursachen für Rückenschmerzen. Doch auch andere Faktoren wie Haltungsfehler, nicht ergonomische Sitzmöbel, falsch betriebener Sport, ungesunde Ernährung, Adipositas oder fehlende Muskelkraft wirken auf die Krankheitsentstehung. Ein häufiger Grund ist auch eine starke psychische Anspannung. Sorgen, Streit, Ängste und Selbstzweifel, Konflikte am Arbeitsplatz und Dauerstress führen leicht zu Verkrampfungen und ungünstigen Körperhaltungen. Doch oft löst erst das Zusammenwirken mehrerer Ursachen die Beschwerden aus. Klimatische Einflüsse wie Nässe, Kälte, Zugluft sowie Klimaanlagen können die Entstehung akuter Schmerzzustände im Rücken zusätzlich begünstigen. In den meisten Fällen werden Kreuzschmerzen von Verspannungen der Rückenmuskulatur verursacht und begleitet. Ist der Schmerz einmal da, werden oft vermeintlich schonende, aber unnatürliche Haltungen eingenommen, die wiederum andere Muskelgruppen strapazieren und die Beschwerden verstärken. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule wird teilweise erheblich eingeschränkt. Nachfolgend verstärken sich erneut die Muskelfehlbelastungen sowie die Schmerzproblematik. Das Ganze mündet schließlich in einen Teufelskreis.

Akut oder chronisch?

Anhand des zeitlichen Verlaufs der Schmerzsymptomatik wird weiterhin zwischen akutem, subakutem und chronischem Kreuzschmerz unterschieden. Ein akuter Kreuzschmerz dauert weniger als sechs Wochen an. Besteht er darüber hinaus, wird er als subakut bezeichnet. Dauern die Symptome insgesamt mehr als zwölf Wochen, ist von chronischem Kreuzschmerz die Rede. Treten Schmerzepisoden nach einer symptomfreien Phase von mindestens sechs Monaten wieder auf, werden sie als „rezidivierend“ bezeichnet.

Abgrenzung Selbstmedikation – Arztbesuch

Etwa 85% aller Rückenbeschwerden sind unkompliziert und verschwinden von selbst wieder.

Spezifische Rückenschmerzen müssen hingegen von qualifizierten Ärzten behandelt werden, da sie meist eine ernstzunehmende Ursache haben. Derartige Behandlungsbedürftige Fälle machen sich fast immer durch typische Begleitsymptome und Vorerkrankungen mit alarmierendem Charakter bemerkbar, die dringenden Handlungsbedarf signalisieren. Diese Warnhinweise werden auch als red flags bezeichnet. Dazu gehören:

  • schlechtes Allgemeinbefinden,
  • Fieber,
  • Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühle,
  • bewegungsunabhängige Schmerzen,
  • Hinweise auf entzündliche-rheumatische Erkrankung,
  • Osteoporose,
  • Immun- oder Krebserkrankung,
  • vorangegangener Unfall wie ein heftiger Sturz,
  • Alter des Betroffenen < 20 Jahre,
  • mehr als drei Tage konstant anhaltende oder zunehmende starke Schmerzen trotz Selbsthilfe.

Um das Risiko für eine Chronifizierung möglichst frühzeitig zu erkennen, bedient man sich sogenannter yellow flags. Dazu zählen psychosoziale und somatische Risikofaktoren wie

  • Depressivität,
  • arbeitsbezogener Stress,
  • Ängste,
  • Hoffnungslosigkeit

Fallen solche yellow flags auf, kann dann gegebenenfalls eine spezifische Behandlung begonnen werden. Dadurch lassen sich langwierige, komplizierte und kostenintensive Krankheitsverläufe oft vermeiden. Nur etwa jeder zehnte Patient mit Kreuzschmerz entwickelt im Verlauf chronische Beschwerden.

Ganzheitliches Denken in der Therapie ist gefragt

Moderne Behandlungsansätze beseitigen nicht nur akute Schmerzen, sie basieren auf der ganzheitlichen Erfassung des Wirbelsäulenproblems und stützen sich hauptsächlich auf drei Säulen:

  • körperliche Bewegung,
  • medizinische Aufklärung und Beratung sowie
  • medikamentöse Therapie.

Hier steht der kurzfristige Einsatz von Schmerzmitteln im Vordergrund, der helfen soll, im Alltag möglichst aktiv zu bleiben.

Patientenaufklärung und Beratung

Ganz entscheidend ist es für die von Rückenschmerz Geplagten umfassend informiert zu sein über ihre Erkrankung und den richtigen Umgang damit. Je mehr sie über ihre Beschwerden, deren Ursachen und Behandlungsformen wissen, desto besser können sie auch selbst Einfluss auf den Heilungsprozess nehmen und ihre Lebensqualität verbessern. Schwerpunkt der Aufklärung ist die Tatsache, dass körperliche Bewegung keine Schäden verursacht, sondern eine Linderung der Beschwerden fördert. Neben dem behandelnden Arzt ist die Apotheke der richtige Ansprechpartner.

Bewegung ist die beste Therapie

Die früher häufig empfohlene strenge Schonung bei akuten Rückenschmerzen gilt nicht mehr. Alle Maßnahmen, die die Betroffenen in eine passive Rolle treiben, wie Bettruhe oder Schonung, sind für eine Genesung eher hinderlich. Ziel ist es, sich schnellstmöglich wieder normal zu bewegen.

Schmerzfrei durch den Tag –... mit oralen Analgetika

Die medikamentöse Therapie wirkt symptomatisch. Sie soll im akuten Stadium die nicht-medikamentösen Maßnahmen unterstützen, damit die Betroffenen frühzeitig ihre üblichen Aktivitäten wiederaufnehmen können. Zur Therapie bei Kreuzschmerzen stehen in der Selbstmedikation aus der Gruppe der nicht-opioiden Analgetika Paracetamol und nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac zur Verfügung. Bei leichtem bis mäßigem akutem nicht-spezifischem Kreuzschmerz kann daher die Behandlung zunächst mit Paracetamol vorgenommen werden. NSAR nur in der niedrigsten wirksamen Dosis und so kurz wie möglich anwenden. Zu beachten ist generell das erhebliche Nebenwirkungs- und Interaktionspotenzial. Vor allem bei älteren Patienten können bei längerer Einnahme von NSAR gastrointestinale und renale Nebenwirkungen auftreten. In Ihrer Grossen Apotheke Dr. G. Bichsel werden Sie von unserem Fachpersonal kompetent beraten. Kommen Sie vorbei, um gemeinsam herauszufinden, welches Medikament für Sie am besten geeignet ist.  

… mit pflanzlichen Schmerzmitteln

Extrakte aus der Weidenrinde oder der Teufelskralle wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Sie werden meist topisch in Form von Salben oder Gels angewendet und bekämpfen so lokal die Schmerzen. Sie sind zugelassen als Ergänzung für die Schmerztherapie bei degenerativen und rheumatischen Erkrankungen des Bewegungsapparates.

… mit Präparaten zur äußeren Anwendung

Produkte mit durchblutungsfördernden Inhaltsstoffen (Wallwurz, Arnika oder Capsaicin bzw. Cayennepfeffer) können für eine Entspannung der Muskulatur sorgen. Nicht zuletzt kann auch mit Bädern die periphere Durchblutung gesteigert

Den Schmerzen einheizen

Schmerzhafte Muskelverspannungen lassen sich mithilfe von Wärme spürbar lockern. Die Wärme beruhigt und entkrampft die Muskelfasern, fördert die Durchblutung und lindert die Schmerzen. Zur Wärmetherapie gehören Wärmeflaschen, Körnerkissen, Heizdecken oder Dampfbäder. Die Kombination von Wärmebehandlung und Bewegung wirkt sich positiv auf die Rückenbeschwerden aus. Als Alternativen bieten sich Wärmepflaster oder -umschläge an.

Sanfte Hilfe für den Rücken: Homöopathie

In der Apotheke bietet sich die begleitende Abgabe homöopathischer Mittel an.

  • Aesculus D6 bei dumpfen Schmerzen im Kreuzbein, die häufig in der Schwangerschaft, aber auch zusammen mit venöser Belastung auftreten,
  • Bryonia D6 bei stechenden Schmerzen, die sich durch jede Bewegung verschlimmern
  • Nux vomica D6 für schmerzhafte Verspannungen im Rücken-, Nacken- und Schulterbereich durch zu viel Arbeit und Stress
  • Rhus toxicodendron D12 bei reißenden Schmerzen mit Steifigkeit nach Überanstrengung bzw. nach Kälte oder Durchnässen

Prävention – den Kreuzschmerzen zuvorkommen

Grundpfeiler zur Vorbeugung von Kreuzschmerzen ist die regelmäßige und möglichst vielseitige körperliche Bewegung! Spezielle Übungen für die Rumpfmuskulatur und rückenfreundlicher Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren helfen Beschwerden und chronischen Schmerzen vorzubeugen. Darüber hinaus macht es Sinn, ergonomische Vorgaben am Arbeitsplatz umzusetzen. Dazu gehören nicht nur eine optimale Schreibtischhöhe, sondern auch ein gutes Betriebsklima sowie die Förderung der Arbeitsplatzzufriedenheit. Bei einer Fehl- und Überbelastung der Wirbelsäule spielt oft auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Sehr leicht nachvollziehbar ist der Zusammenhang beim Übergewicht: Jedes Kilo zu viel belastet rein mechanisch Wirbelkörper, Bandscheiben, Wirbelgelenke, Bänder und Muskeln. Sie möchten etwas an Ihrem Lebensstil verändern? Das Fachpersonal der Grossen Apotheke Dr. G. Bichsel berät Sie gerne und geben Ihnen Tipps für eine gesündere Lebensweise.

Downloads

Downloads